Die Dorfkirche in Berlin Marienfelde

1. Informationen zur Dorfkirche
2. Informationen zur Frobeníusorgel

Orgel Kirche

1. Informationen zur Dorfkirche
Um 1220 wird von Historikern mangels Urkunden als Erbauungszeit der Dorfkirche von Berlin-Marienfelde angegeben. Damit ist sie das älteste erhaltengebliebene Bauwerk in Berlin. Gebaut durch die Kirchbauhütte aus Kloster Zinna, waren vermutlich die Tempelritter die ersten Herren über Marienfelde. Die älteste bekannte Urkunde ist 1344 vom Johanniter-Ritterorden ausgestellt. 1435 ging das Dorf in den Besitz der Doppelstadt Berlin-CöIln, zu der es bis 1831 gehörte. Von da an war der Rittergutstitel in wechselndem Besitz, bis 1844 der Ökonom Adolf Kiepert (Bruder des Kartographen Heinrich Kiepert) ein Mustergut schuf. Kiepert war Patron der Kirche, stand im politischen Leben, war Amtsvorsteher und Mitbegründer der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft.

Bauhistorisch ist diese Kirche spätromanisch mit frühgotischen Anbauten und in ihrer "vollständigen Anlage" einzigartig. Einst hatte dieses Bauwerk mit 1,1 - 1,75 Meter starken Mauern, schlitzartigen Fenstern und schweren Türen mit Balkenverriegelung von innen vor feindlichen Überfällen Schutz geboten.

Sie ist mehrmals verändert worden, besonders im Innern, wo u.a. nach der Einführung der Reformation (1539) Chorgestühl und Chorschranke beseitigt worden sind. 1624-29 sind Altar und Taufstein neu gestiftet worden. Hiervon ist nur noch der Taufstein mit dem Adler der Stadt CölIn an der Spree vorhanden. Über den Umbau von 1835 sprechen die Akten: Dreiseitige Empore, Patronatsloge, Kanzelaltar anstelle des Bildaltars von 1624, Gestühl im Mittelfeld der Halle.

1920/21 wurde unter dem ortsansässigen Architekten Bruno Möhring restauriert: Seitenemporen und Kanzelaltar entfernt, Orgelempore mittels Durchbruch in den Turm erweitert, Elektrizität und Warmluftheizung installiert, Tonnendecke eingebaut, Kanzel umgesetzt, Gestühl nach beiden Seiten aufgeteilt, Seitentüren verschlossen, Turmeingang geschaffen. Beim Betreten des Kirchenschiffs soll das Auge auf ein Relief mit dem Friedensengel über einem Gräberfeld fallen. Die Inschrift hierzu lautet: "HERR HILF UNS - 1914-1920". Die Vorhalle stammt ebenfalls aus dieser Baumaßnahme.

In den Jahren 1953-58 wurde erneut restauriert (den II. Weltkrieg hatte das Baudenkmal glimpflich überstanden): Dacharbeiten, Patronatsloge beseitigt, an der Nordseite des Chorquadrats zwei Fenster eingesetzt, jugendstilgemäße Wandmalereien (1921) übertüncht. In die Lichtöffnungen der Apsis kamen moderne Glasarbeiten von Georg Lippmann mit dem Thema "Schöpfungsgeschichte".

1994 erfolgten ebenfalls Restaurierungsarbeiten, wobei alle Versorgungsleitungen auf den neuesten Stand gebracht worden sind. Es bot sich u.a. eine archäologische Untersuchung im Innern an, die etwa 20 Bestattungen - teilweise aus der Zeit vor der Erbauung - freilegte. Ein gut erhaltenes ca. 800 Jahre altes männliches Skelett kann an seiner Fundstelle im Turm besichtigt werden. Nach der 1835 erfolgten Zerstörung des Altars von 1624 konnte 1997 ein neuer schlichter Holzaltar und ein Lesepult angeschafft werden. Im vorderen Teil des Kirchenschiffes steht jetzt variables Gestühl.

Bemerkenswert ist die Windfahne (Nachbildung auf dem Turm), deren Original uns erhalten ist. Sie zeigt eine Windmühle, auf die der drachengestaltige Wind bläst, die Jahreszahl 1595, außerdem auch die Initialien "J P - M I M", die für "JÜRGEN PETZKE - MÜLLER IN MARIENFELDE" stehen.

Die sehr alten Bronzeglocken mußten im 1 .Weltkrieg abgeliefert werden. Seit 1921 befinden sich drei Stahlglocken im Turm. Eine Barock-Orgel erklang schon 1749. Die Orgeln danach hatten alle keinen hohen Gebrauchswert. 1994 wurde deshalb das erste Instrument der renommierten dänischen Orgelbauwerkstatt Frobenius & Sonner in Deutschland für die Dorfkirche Marienfelde erworben. Es erlaubt die gültige Wiedergabe von Orgelmusik aller Stilepochen - und ist begehrtes Instrument internationaler Organisten für die über 50 jährlichen Konzerte.

Quelle: Hans-Werner Fabarius, Archivar

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2. Informationen zur Frobeníusorgel
Die Dorfkirche Marienfelde hatte über mehrere Jahrhunderte eine sehr unbefriedigende Orgelausstattung. Die Instrumente von Marx, Barbe, Lang und Dinse - zuletzt die Walckerorgel - befanden sich stets im Kampf mit ihrem Raum. Waren es Feuchtigkeit, Trockenheit, Schädlinge, Heizung, Kälte oder denkmalpflegerische Auflagen - immer verloren die Instrumente nach kurzer Zeit ihren Gebrauchswert.

Die Herstellung eines geeigneten Klimas für Mensch und Instrument gab Gelegenheit, die Errichtung eines adäquaten Instrumentes für international führende We9kstätten auszuschreiben. Ein wichtiges Ergebnis sollte auch die Bereicherung der Orgellandschaft Berli-Brandenburgs sein.

Die Klangvorgabe, mild und streng, farbig, fröhlich und ernst, umreißt das zu lösende Problem unseres Orgelbaus.

Diese Orgel der renommierten dänischen Werkstatt Frobenius & Sonner war die ideale Lösung für die neu renovierte Dorfkirche Marienfelde. Die besondere Prospektgestaltung, und die Bereitschaft der Werkstatt Frobenius mit dieser Orgel klanglich Herausragendes zu schaffen, bildete den Hintergrund der Auswahl. Seit der Gründung im Jahre 1909 durch Theodor Frobenius hat sie sich mit nahezu 1000 Instrumenten in Europa, USA und Japan durch handwerkliche Perfektion und klangliche Verschmelzung südlicher Milde mit nordischer Strenge einen Namen geschaffen.

Die Orgel ist dem Raum entsprechend "kammermusikalisch" transparent intoniert und erlaubt die gültige Wiedergabe von Orgelmusik aller Stilepochen. Am 29. Mai 1994 wurde die Frobenisorgel eingeweiht, sie erklingt in über 150 Gottesdiensten und ca. 50 Konzerten im Jahr. Zum 10-jährigen Jubiläum wurde die Orgel um ein Röhrenglockenspiel erweitert.

 
Disposition der Frobeniusorgel (PDF–Datei)

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